TGS 1900 Chronik I
Der Anfang: Entwicklungsjahre
Die ersten Vereine
Wie alles begann

Die ältesten Vereine in Deutschland wurden nach 1848, also nach der Auflösung der Paulskirchenversammlung, gegründet. Ein Beispiel aus Ober-Ramstadt ist der Gesangverein Eintracht, der 1856 gegründet wurde. Turnvater Jahn startete seine Turnbewegung bereits vor dieser Zeit. Und nach dem Krieg gegen Frankreich im Jahr 1871, nach Reichsgründung und Kaiserproklamation, folgte eine zweite Phase der Vereinsgründungen. In diese Zeit (1877) fällt beispielsweise die Gründung des Turnvereins Ober-Ramstadt.

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Die TGS wird gegründet
Im Juni des Jahres 1900 versammelte sich im ehemaligen Gasthaus "Zur Harmonie" (Besitzer Georg Kuhlmann) in der Kirchstraße (heute Prälat-Diehl-Straße) eine Gruppe von aktiven Turnern, die bis zu diesem Zeitpunkt beim TV 1877 ihren Sport gepflegt hatten, und gründeten einen Verein, den sie "Turngesellschaft" nannten. Im Protokollbuch sind als Gründer die Namen August Ewald, Peter Fischer, Franz Finger, Georg Jacoby, Georg Schröbel, Leonhard Schröbel und Georg Schuchmann festgehalten. Zum 1. Vorsitzenden wurde Franz Wilhelm Fischer gewählt.
Erziehung muß sein
Die Statuten von damals

Ziel des neuen Vereins war: Turnen, Sport und Spiel, sowie die Geselligkeit zu pflegen und zu fördern. Der Jugend sollte, neben Elternhaus und Schule, ein sinnvolles Betätigungsfeld geboten werden. Nicht ohne erzieherischen Anspruch. In der uns bekannten Satzung von 1910 wurde festgelegt, dass nur unbescholtene Männer, die die nötige gesellschaftliche Bildung hatten und 18 Jahre alt waren, die Mitgliedschaft der TGS beantragen durften. In § 9 wurde festgelegt, dass auch Jugendliche unter 18 Jahren dem Verein als "Zöglinge" beitreten durften. Auflage war, dass sie zu "anständigem Benehmen, sittlichem Verhalten, zur Einhaltung der Turnordnung, insbesondere aber zur regelmäßigen Teilnahme an den Turnübungen" verpflichtet wurden.
Über jeden Eintritt hatte der Vorstand zu beschließen. Das Eintrittsgeld betrug in diesem Jahr eine Mark, der Jahresbeitrag drei Mark.
Die gestellte Aufgabe war nicht leicht zu erfüllen. Der Verein wuchs ständig und bereits zum Ende des Gründungsjahres hatte die TGS 88 Mitglieder. Es mussten eine Übungsstätte gesucht und Turngeräte beschafft werden.

 
Turnen im Freien
Das Grundstück an der Linde

Im Mai 1908 erwarb die TGS das Grundstück an der Linde von der Gemeinde Ober-Ramstadt, um neben dem Geräteturnen auch das Volksturnen im Freien besser pflegen zu können. Die Größe des Platzes betrug damals 1.185 qm. Der Kaufpreis wurde mit 1.186 Mark festgelegt. Die grundbuchmäßige Übernahme des Platzes machte die Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht Darmstadt notwendig, die am 3. Februar 1910 erfolgte.
Am 2., 3. und 4. Juli 1910 wurde die Vereinsfahne geweiht. Am 23. Juli 1910 wurde das 10jährige Stiftungsfest unter großer Beteiligung der Einwohnerschaft sowie vieler auswärtiger Vereine gefeiert. Die Fahne befindet sich noch heute im Vereinsbesitz.

1. Weltkrieg
Auch die TGS ist betroffen

90% der aktiven Turner der TGS wurden zum Heeresdienst einberufen. 29 Turnfreunde fielen oder starben an den Folgen des Krieges. 27 Turner der Turngesellschaft kehrten nicht in ihre Heimat zurück, was sich auf die Wiederaufnahme des Turnbetriebes im Frühjahr 1919 empfindlich auswirkte. Zum Gedenken an die Gefallenen stifteten die Frauen und Jungfrauen der Vereinsmitglieder eine Ehrentafel - heute noch in der Geschäftsstelle der TGS zu sehen.

 
Ortwechsel
Turner sind flexibel

Nach Rücksprache mit dem Wirt vom Schützenhof, Georg Schulz, wurde der Saal der Gaststätte der Turngesellschaft zur Verfügung gestellt. Bereits 2 Jahre später wechselte die TGS in das "Grüne Laub" in der Adlergasse, Besitzer Peter Müller. Hier wurde bis 1920 geturnt. Als der Besitzer das erste Ober-Ramstädter Kino einrichtete, mussten die Turner in das "Elisenbad" zu Karl Suppes ausweichen. Aber 1922 musste die TGS auch diesen Saal verlassen. Je nach Witterung konnte im Hof oder in der Scheune des Mitgliedes Leonhard Schröbel geturnt werden. Kurze Zeit wurde dann nochmals im "Schützenhof" geturnt.

Gauturnfest 1924
Gemeinsam zum Ziel
Die beiden Ober-Ramstädter Turnvereine, der Turnverein von 1877 und die Turngesellschaft 1900, schlossen sich für das Gauturnfest zur Vereinigten Turnerschaft Ober-Ramstadt zusammen und organisierten gemeinsam das große Fest. Federführend waren Bürgermeister Adam Rückert (1. Sprecher des TV) und Franz Wilhelm Fischer (1. Vorsitzender der TGS). Insgesamt wurden 7 Ausschüsse gebildet und mit vielen Mitgliedern der beiden Vereine besetzt.
Das Festprogramm begann am Samstag, dem 28. Juni 1924, mit dem Empfang der auswärtigen Turner, mit einem Fackelzug zum Festplatz und einem Feuerwerk zum Abschluss.
Am Sonntag begann das Wettturnen bereits um 6.30 Uhr. Um die Mittagszeit gab es einen großen Festzug mit anschließendem Bühnenprogramm, abends einen Ball in zwei Sälen. Der Montag wurde mit dem Frühschoppen gestartet und um 14 Uhr fand ein weiterer Festzug statt. Das Gauturnfest klang mit einem Konzert auf dem Festplatz aus.
Für die TGS turnten mit:
Oberstufe (Neunkampf): Heinrich Steinmann
Unterstufe (Zwölfkampf): Philipp Burger, Georg Netscher
Unterstufe (Neunkampf): Wilhelm Ehrhardt, Georg Marx, Karl Weber, Ludwig Burger, Heinrich Haas, Heinrich Kehr, Philipp Stuckert und Ernst Fischer
 
Turnen und Gesellschaft
Ein Name verpflichtet
Mit dem Vereinsnamen wurden die Schwerpunkte der Arbeit im Verein festgelegt, es wurde geturnt und es wurde die Geselligkeit gepflegt. Es gab viele Theateraufführungen oder kleinere Darbietungen. Bei einem Treffen im "Grünen Laub" dauerte der gesellschaftliche Teil so lang, dass man anschließend keine Zeit mehr für die geplanten sportlichen Darbietungen hatte. Also mußten diese kurzfristig entfallen.
25 Jahre TGS
Das Jubiläum im Cafe Dorn
  Das Jubiläum der Turngesellschaft wurde am 16. August 1925 im Garten des Kaffeehauses Dorn in der Bahnhofstraße gefeiert. Ab 14 Uhr gab es Ansprachen und Festreden, viele Ober-Ramstädter Vereine beteiligten sich. Ab 8 Uhr wurde zum Tanz gespielt, mit stark besetztem, erstklassigem Konzert- und Ballorchester. Der Gesangverein "Eintracht" gab einige Gesangseinlagen. Otto Dorn führte durch das Programm. Und die Turnerinnen und Turner der TGS zeigten ihr Können.
 
 
 
1926
Die Turnhalle wird gebaut
  Im Jahre 1925 wurde der Turnplatz von 1.185 qm auf 1.609 qm erweitert, um den Bau einer eigenen Turnhalle realisieren zu können. Die finanzielle Basis für diese Investition schufen wiederum die Vereinsmitglieder selbst. Sie kauften Anteilscheine an der TGS, die später nach und nach wieder zurückgekauft werden sollten.
Der Grundstein für die Halle wurde 1926 gelegt und der Bau in Selbsthilfe begonnen. Bereits im Herbst desselben Jahres stand die Turnhalle im Rohbau und das Dach war gedeckt. Fertiggestellt und eingeweiht wurde sie 1928 zum 150. Geburtstag des Turnvaters Jahn.
 
 
 
 
Neue Abteilungen
Handballer und Leichtathleten nehmen das Training auf
  Ein reger Übungsbetrieb und ein steter Aufwärtstrend kennzeichnen die folgenden Jahre. Sowohl bei den Turnern als auch in den seit 1925 bestehenden Abteilungen Handball und Leichtathletik wurde in Breitenarbeit investiert. Die Handballmannschaft trug ihre Spiele auf einem Grundstück am Ortsausgang rechts, Richtung Darmstadt, aus. In der Mannschaft standen unter anderem: Karl Mahr, Georg Born und Heinrich Kehr.